Rubiner an Busoni, Muralto-Locarno Villa Rossa 19. Febr. 1918

Sehr lieber! (...) Ich stehe momentan inmitten dichterischer Produktion. Gestern früh kam Ihr Freundesbrief, in der Nacht darauf war endlich der I. Akt [m]eines Dramas fertig geworden. Der zweite beginnt morgen früh. Dieses Drama ist nun allerdings kein Herbst (unlesbar) doch auch keine Trilogie. Es geschehen Wunder, eins nach dem andern - aber: ohne Apparate. Ja sogar ohne Dekorationen. Der Zuschauer, der Dekorationen sehen will, muss sie sich selbst mitbringen. Es ist Phantasie - Arbeit. Sie können sich denken, wieviel ich mit Ihnen mich besprochen habe. Mir ist auch eines klar geworden: Dekorationen und Ausstattung gehören zur Oper, auch Apparate, Accessorien etc. Dort sind sie aber nötig, gerade wie die Musik dort nötig ist. Im Drama sind sie aber Schwindel, freilich sind im Drama auch Samtvorhänge und sonstiger Kunstgewerbekitsch Schwindel. Ich bin auf das Einfachste zurückgegangen, nämlich auf die Raum-Einteilung der Bühne. Dazu noch ein unglaublich einfaches technisches Verfahren, das einfachste von allen, an das die Leute urseltsamerweise meistens nicht denken. (…)

Rubiner a Busoni, Muralto-Locarno Villa Rossa 19 febbr. 1918

Carissimo! (...) In questo momento sono immerso nella produzione poetica. Ieri mattina è arrivata la Sua lettera amica, nella notte il 1° atto del [m]io dramma era finalmente terminato. Il secondo inizia domani mattina. Questo dramma non è però un (non si legge) ma nemmeno una trilogia. Succedono miracoli, uno dopo l'altro - ma: senza apparati. Sì perfino senza decorazioni. Lo spettatore che voglia vedere le decorazioni, deve portarsele. È lavoro di fantasia. Si può immaginare quanto abbia significato per me essermi consultato con Lei. Una cosa mi è chiara: le decorazioni e l'allestimento fanno parte dell'opera, anche gli apparati, accessori ecc... . Lì sono necessari, proprio come è necessaria la musica. Ma nel dramma sono un trucco, certo anche le tende di velluto e l'altro kitsch delle arti decorative nel dramma sono un trucco. Mi sono limitato all'essenziale, cioè alla suddivisione dello spazio scenico. Per di più un procedimento tecnico incredibilmente semplice, il più semplice di tutti, a cui la gente, cosa molto strana, di solito non pensa. (...)

Rubiner an Busoni, Muralto-Locarno Villa Rossa 27. März 1918

Lieber Verehrter! (...) Ich selbst stelle heute die höchsten Anforderungen an meine Arbeit. Sie geht weiter. An den komischen Stellen am schwersten. Mit grosser Bitterkeit erfüllt mich, dass ich die Zeit zur Fertigstellung zu kurz angesetzt hatte. Ich dachte Ende März mit dem Ganzen fertig zu sein, und dabei bin ich heute noch nicht mit dem II. Akt fertig, wenn ich mich auch seinem Ende nähere. Ich bin aber so in der Arbeit, dass ich einen Vortrag, den ich am 6. April in Zürich halten sollte, deswegen abgesagt habe. – Ich zittre eben heute nur vor dem einen: Dass mir etwas passiert, ehe ich fertig werde. (…)

Rubiner a Busoni, Muralto-Locarno Villa Rossa 27 Marzo 1918

Caro, stimato! (...) Oggi pretendo troppo dal mio lavoro. Procede. Nelle parti fantastiche con difficoltà. Sono amareggiato perché ho sottovalutato il tempo necessario per terminarlo. Pensavo di finire alla fine di marzo, mentre ancor oggi non ho concluso il 2° atto, anche se s'incomincia a intravedere il finale. Sono così immerso nel lavoro da essere costretto a disdire una conferenza che dovevo tenere a Zurigo il 6 aprile. Tremo solo al pensiero che mi succeda qualcosa prima di finire. (...)

Rubiner an Busoni, Donnerstag d. 17. IV Muralto-Locarno Villa Rossa

Carissimo Amico, Carino! Wäre ich recht briefschreibefähig, so hätte ich längst geschrieben. Ihr gestriger Brief war mir - wie seltsamerweise immer und immer - ein mächtiges Sprungbrett, um aus tiefen Depressionen (die übrigens mich eigentümlicherweise garnicht in der Arbeit stören) zu etwas menschlicheren Empfindungen zu kommen. [Meine Arbeit lässt mich in der Tat das Ende schon sehen. Die grössten, selbstgeschaffenen Schwierigkeiten sind überwunden --- so oder so. Das Ende seh ich, doch ist es noch nicht da. Manchmal recht verzweifelt, dass es mir nicht mehr möglich sein wird, den Abschluss hier zu machen. Doch muss ich mich abfinden. Das Werk wird entweder nach fünfzig Jahren etwa seine Geltung u.[nd] seinen vollen Glanz haben, oder es ist der grösste Dreck, den je einer geschrieben hat.] …. Es ist aber schrecklich, wie man dann mit den Gedanken über Selbstmord Zwiesprache hält, als ob der Tote noch lebe und die andere Person wäre. Ich wehre mich ja ausserordentlich gegen diese Zumutung, gebe ihr nur manchmal hypothetisch nach, wenn mir der Ausdruck in der Arbeit stockt und ich retrospektiv alles schlecht finde und mich wertlos. Bin ich mit dieser Arbeit einmal (wann?) fertig und lebe noch, so werde ich dann doch gern etwas Neues schreiben, das garnicht mehr schwebt, sondern ganz und gar auf der Erde steht. Vielleicht schützt das auch etwas gegen das Böse. (…)

Rubiner a Busoni, giovedì 17 IV Muralto-Locarno Villa Rossa

Carissimo Amico, Carino! Se fossi in grado di scrivere, l'avrei fatto già da tempo. La Sua lettera di ieri è stata per me - stranamente come sempre - una forte spinta per uscire da uno stato di depressione profonda (che per altro, cosa insolita, non mi disturba affatto nel lavoro) e ritornare a provare sensazioni più umane. [Infatti comincio a scorgere la fine del mio lavoro. Le difficoltà maggiori, che mi sono fatto da solo, sono superate --- in un modo o nell'altro. Vedo la fine, ma ancora non c'è. Talvolta dispero di non riuscire a terminare qui. Ma mi devo mettere il cuore in pace. Il dramma, forse, o verrà preso in considerazione e si metterà in luce fra cinquanta anni, oppure è la più grande insulsaggine che uno abbia mai scritto.] … . È terrificante però come si dialoghi con il pensiero del suicidio, come se il morto vivesse ancora e fosse l'altra persona. Resisto con tutte le forze a questa idea pretenziosa, ci indulgo qualche volta come ipotesi, quando l'espressione mi viene meno nel lavoro e retrospettivamente trovo tutto sbagliato e mi sento inutile. Se un giorno finirò mai questo lavoro (quando?) e sarò ancora vivo, allora vorrò scrivere qualcosa di nuovo, che non sia più sospeso in aria, ma che stia in tutto e per tutto sulla terra. Forse protegge anche un po' contro il male. (...)

Rubiner an Busoni, Locarno Donnerstag Himmelfahrt 1918

Lieber Verehrter! (...) Ich eile mit Riesenschritten dem Ende meiner Arbeit zu. Dieser letzte Akt, an dem ich nun noch einiges zu tun habe und danach fahre ich gen Zürich - ist am kühnsten. (unlesbar) Phantasie, dass mir vor mir etwas bange wird. Ich übersehe schon jetzt im Voraus: Dieses Werk wird mich bei meinen Zeitgenossen weder berühmt noch verachtet machen, sondern mich der Lächerlichkeit preisgeben. Dies sage ich ohne tragische Gebärde, die ich nur komisch fände. (Sogenanntes Verkanntsein giebt es in Wahrheit garnicht.) Ich nehme mir schon jetzt vor, meine folgenden Arbeiten nur als Gelegenheit zu benutzen, gerade dieses ausgelachte Buch in den folgenden Jahren zu Ehren zu bringen. Sein heutiger Erfolg scheint mir unmöglich zu sein, und darum wäre er mir auch gleichgültig. (…)

Rubiner a Busoni, Locarno giovedì dell'Ascensione 1918

Caro, stimato! (...) Mi affretto a grandi passi verso la fine del mio lavoro. Quest'ultimo atto a cui devo lavorare ancora un po', dopo di che vado a Zurigo - è il più audace. (non si legge) Fantasia che io trepidi un po' di fronte a me stesso. Lo prevedo già in anticipo: quest'opera non mi porterà né la gloria né il disprezzo tra i miei contemporanei, ma mi esporrà al ridicolo. Lo dico senza tragicità che mi sembrerebbe solo assurda. (Il cosiddetto misconoscimento, in realtà, non esiste affatto.) Mi riprometto già adesso di usare i miei lavori successivi solo come possibilità di onorare nei prossimi anni proprio questo libro deriso. Il suo successo odierno mi sembra impossibile e non me ne importerebbe nemmeno. (...)

Rubiner an Busoni, Mittwoch 4. 12. 1918

Lieber! Zuvor der lieben Frau Gerda einen Gruss, den Gruss eines lange Verschwundenen! Soeben um ½ 6 bin ich mit meinem Drama fertig geworden und habe das Wort: Ende darunter geschrieben. Ein Vorspiel und drei Akte. (Ein sonderbares Vorspiel und drei monströse Akte.) Endlich, endlich hebe ich den Kopf und werde Ihnen wieder in die Augen schauen. Ich möchte gern - morgen Donnerstag abend - zu Ihnen kommen und Ihnen die Hand drücken. Ich komme, wenn Sie mir nicht vorher das Gegenteil schreiben. Meine alte, mir offenbar eingeborene Gewohnheit, Sie nie neben dem Leben her zu sehen, sondern nur, wenn ich recht freudiger Stimmung bin, wird dabei durch manches unterstützt. Vor allem dadurch, dass Ihre beiden Söhne gerecht durch die vergangenen Jahre gekommen sind. Und nun muss ich Ihnen auch sagen, was ich weiss: Was irgend an meiner Arbeit gut ist, verdanke ich Ihnen, Ihrem guten Zureden, Ihrer Teilnahme, und dem Gedanken an Sie. Manches wird vielleicht Ihren Beifall haben, sehr vieles, sehr vieles vielleicht nicht. Ich weiss es nicht. Ich weiss nicht, ob es „gut“ ist, oder ob es das nicht ist. Manches ist mir nicht gelungen. Warum ich Ihnen nun so dankbar bin, das ist keine Floskel, sondern liegt an Folgendem. Als ich, nach einjähriger Arbeit, zum Schluss gekommen war, merkte ich, dass jedes Ihrer Worte, das Sie jemals mit mir über künstlerische Probleme gesprochen haben, aus einer tiefen Erfahrung heraus prophetisch gewesen war. Es ist alles, alles eingetroffen, auch das (Geständnis: Ja, gerade das!), wogegen ich polemisiert habe. Nachträglich noch bitte ich Sie, nur jeden Widerspruch zu verzeihen; er war offenbar die Form, mit deren Hilfe ich mir Ihre Erkenntnisse und Ihren Rat Gestalt in mir werden liess! Sie haben mich dadurch tiefere Zusammenhänge im Menschenleben gelehrt! Und nun lasse ich die Arbeit einen Tag liegen, dann nehme ich in aller Eile die Arbeit der eigenen Abschrift auf. Anfang der nächsten Woche wird es lesbar sein, auch vorlesbar. In Liebe! Ihr Ludwig Rubiner.

Rubiner a Busoni, mercoledì 4 12 1918

Caro! Prima un saluto alla cara signora Gerda, il saluto da parte di uno scomparso da tempo! Poco fa alle 5 e mezzo ho terminato il dramma e sotto ho scritto la parola: fine. Un prologo e tre atti. (Un prologo strambo e tre atti mostruosi.) Finalmente, finalmente sollevo la testa e La guarderò di nuovo negli occhi. Mi piacerebbe venire da Lei - domani giovedì sera - e stringerLe la mano. Vengo, a meno che prima non mi dica di no. La vecchia abitudine che evidentemente mi è innata, di non vederLa mai nella vita di tutti i giorni, ma solo se sono veramente in una disposizione d'animo serena, viene rafforzata anche da altre cose. Soprattutto dal fatto che entrambi i Suoi figli sono cresciuti con probità. Ebbene Le devo anche dire ciò che so: quel che c'è di buono nel mio lavoro, lo devo a Lei, ai Suoi buoni consigli, al Suo interesse e all'averLa nei miei pensieri. Qualcosa otterrà il Suo consenso, molto, molto forse no. Non lo so. Non so se sia "buono" o se non lo sia. Qualcosa non mi è riuscito. Non c'è niente di retorico nella mia gratitudine nei Suoi confronti, ma dipende dal fatto che, quando giunsi alla fine, dopo un anno di lavoro, mi accorsi che ogni parola delle Sue che ci siamo scambiate su problemi artistici, giungeva da una profonda esperienza come una profezia. Tutto, tutto è giusto, anche (confessione: sì, proprio questo!) quello su cui ho polemizzato. In ritardo La prego ancora di perdonare ogni obiezione; mi è stata chiaramente d'aiuto, affinché le Sue conoscenze e i Suoi consigli prendessero forma dentro di me! Grazie a Lei ho tratto l'insegnamento che nella vita umana esistono relazioni profonde! E ora lascio perdere il lavoro per un giorno, poi riprendo in fretta a trascriverlo. All'inizio della settimana prossima sarà leggibile, anche recitabile. Con amore! Il Suo Ludwig Rubiner.

Rubiner an Busoni, Berlin der 30. März 1919

Lieber und Verehrter! (….) Mein Drama habe ich fast ganz umgearbeitet. Unglaublich gekürzt; es z.[um] B.[eispiel] über mich gewonnen, das Vorspiel und eine andere Scene im letzten Akt ganz zu streichen, und z.[um] T.[eil] die Situationen dermassen ganz zu ändern, dass es an Einfachheit und Schlichtheit vielleicht gewann. (…)

Rubiner a Busoni, Berlino 30 marzo 1919

Caro, stimato! (...) Ho rielaborato quasi tutto il dramma. Incredibilmente ridotto; mi sono deciso per es. a tagliare del tutto il prologo e un'altra scena dell'ultimo atto e, in parte, a cambiare le situazioni a tal punto da guadagnarci forse in semplicità e sobrietà. (...)

Rubiner an Busoni, 8. Juli 1919

(…) Endlich – denken Sie: jetzt erst – habe ich mein Drama nach meinem Wunsch fertig, erst heute Abend, wo ich an Sie schreibe. Nun endlich hat es Form, und jetzt erst könnte ich es Ihnen eigentlich zeigen. Kein Barock mehr, keine Wucherung, keine Unklarheit. – Ich schliesse Sie, Freund, in meine Arme. Ihr Ludwig Rubiner.

Rubiner a Busoni, 8 luglio 1919

(...) Finalmente - pensi: solo adesso - ho terminato il dramma come volevo, solo stasera che Le scrivo. Finalmente ha preso forma e soltanto adesso, insomma, glielo potrei far vedere. Più nessun barocco, nessuna esuberanza, nessuna vaghezza. - Amico, La stringo tra le braccia. Il suo Ludwig Rubiner.

QUELLENHINWEIS: OPAC KALLIOPE, STAATSBIBLIOTHEK-BERLIN.